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It’s the inequity, stupid

Die gegenwärtige Gesundheitskrise und die Black-Lives-Matter-Bewegung zeigen deutlich, weshalb Ungleichheit und Ungerechtigket die zentralen Faktoren sind, welche die Gesundheit von Bevölkerungen bestimmen.

Im vergangenen Jahr hat sich das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz schwerpunktmässig mit der Thematik „Inequity in Health“ auseinandergesetzt. Es ging darum, wie sich Ungleichheit und Ungerechtigkeit auf die gesundheitliche Situation von Bevölkerungen auswirken. Studien, insbesondere diejenigen, die rund um die sozialen Determinanten von Gesundheit gemacht wurden, zeigen deutlich die Zusammenhänge von Inequity und Gesundheitsstatus auf. Dies aber im 2019 zu erklären, war immer mit der Schwierigkeit behaftet, dass wir in uns sehr oft auf einer sehr abstrakten Argumentationsebene bewegten.

Tom Hanks oder ein Jemand in Harlem

In diesem Jahr ist das anders: Auch wenn einige gerne das Gegenteil behaupten, hat das Coronavirus deutlich gemacht, dass vor diesem eben nicht alle gleich sind. Es besteht eine Differenz, ob der britische Premierminister an Covid erkrankt oder eine ältere Frau in einem englischen Pflegeheim. Es ist nicht dasselbe, ob Tom Hanks in Holywood erkrankt oder jemand in Harlem, New York.

Die Mechanismen der Ungleichheit

Wie Mechanismen wie Ungleichheit und Ungerechtigkeit auf die Gesundheit wirken, ist konkret und ist benennbar: Unterbezahlte Jobs, bei welchen man sich nicht vor dem Virus schützen kann und bei denen es keine freie Wahl gibt, von zuhause aus zu arbeiten. Gemeinden und Quartiere, die eine schlecht funktionierende und unterfinanzierte Gesundheitsversorgung haben. Und genau dahinter stehen ungleich verteilte Mittel, ungleiche Wahl- und Mitsprachemöglichkeiten, um sich für eine qualitativ gute öffentliche Versorgung engagieren zu können. Die Treiber der Ungleichheit sind Privatisierungen im öffentlichen Sektor und – wie gerade zurzeit wieder sehr deutlich wird – gesellschaftliche Stigmatisierung und Diskrimierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft und Rasse.

In den USA zeigt sich beispielhaft, was all dies bedeutet und wie diese Faktoren aufeinander wirken. Gesundheit für alle – gerade auch in der gegenwärtigen Gesundheitskrise – bedeutet Zugang zu Macht und Ressourcen für alle zu schaffen. Bill Clinton wurde in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts Präsident der USA, weil er verstanden hatte, dass es im damaligen politischen Kontext um die Wirtschaft gehen musste („It’s the economy, stupid“). In unserem historischen Kontext könnte es durchaus sein, dass eine andere Erkenntnis den Gewinner zum Sieg treiben wird: „It’s the inequity, stupid.“

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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