Sie sind hier: Startseite / News / MMS Nachrichten / Das Corona-Virus in Zeiten der Digitalisierung – Digitalisierung in Zeiten des Corona-Virus

Das Corona-Virus in Zeiten der Digitalisierung – Digitalisierung in Zeiten des Corona-Virus

Von der Arbeit bis zur Bildung, vom Konsum bis zu unserem Sozialleben: Wir werden durch diese Pandemie von einer Digitalisierungswelle davon getragen. Die globale Politik ist gefordert, einen nachhaltigen Rahmen zu definieren.

Es liegt in der Natur der gegenwärtigen Krise, dass die Digitalisierungswelle im Gesundheitsbereich sehr direkt und sehr schnell spürbar geworden ist. Gesundheitsrelevante Daten werden öffentlich zugänglich gemacht, so dass unterschiedliche Akteure, diese nutzen können, um die Entwicklung der Pandemie besser zu verstehen und ihre Entscheidungen darauf abzustützen.

Ohne Vertrauen keine erfolgreichen Public-Health-Massnahmen

Digitale Instrumente sollen uns, so die Erwartungshaltung, den Weg aus der Krise weisen. Von besonderem Interesse ist zurzeit die Tracking-App, die wir wohl schon bald auf unsere Smartphones laden. Sie soll uns frühzeitig von einer möglichen Übertragung des Virus warnen, damit wir uns dann in Selbstquarantäne begeben können. Es lohnt sich bei der Debatte rund um diese App gut zuzuhören. Sie ist nur auf den ersten Blick technischer Natur. Es geht ganz zentral um den Umgang mit unseren Gesundheitsdaten, wo diese gespeichert werden sollen und wie diese für die öffentliche Gesundheit genutzt werden können, ohne dabei den Überwachungsstaat einzuführen. Die in Europa zurzeit in Entwicklung stehende Lösung, basiert richtigerweise auf dem Verständnis, dass ein solches System zielgerichtet auf diese Pandemie ausgerichtet sein muss, die dabei erhobenen Daten anonymisiert sein müssen und der höchstmögliche Schutz der Privatsphäre gewährleistet sein muss. Denn nur wenn die Bevölkerung dem System vertraut, wird sie es auch anwenden.

Menschenrechts- statt Sicherheitslogik

Darauf, dass anonymisierte Gesundheitsdaten für die öffentliche Gesundheit eine zentrale Rolle spielen könnten, weist Medicus Mundi Schweiz schon länger hin. Die damit einhergehende Brisanz der Thematik bestätigt sich gerade: Wenn etwa die israelische Regierung durch den Inlandgeheimdienst die Bewegungsprofile seiner Bevölkerung absaugt und diese den Gesundheitsbehörden weiterleitet, beruht dies auf der Anti-Terror-Gesetzgebung. Hier verknüpfen sich Digitalisierung, Public-Health-Massnahmen und innere Sicherheit zu einem militaristischen Komplex, welcher das Engagement für einen menschenrechtsbasierten Gesundheitsbegriff unterläuft.

Um einen verantwortungsvollen Umgang mit der Digitalisierungswelle im Gesundheitsbereich zu sichern, braucht es einen international definierten, regulatorischen Rahmen. Dass nun die Notlage eine Digitalisierungswelle über uns hinwegschwappen lässt, bedeutet nicht, dass wir auf Dämme und menschenrechtsbasierte Fundamente als Antwort auf die Digitalisierung verzichten sollten, welche die Gesundheit aller, auch in ressourcenschwächeren Regionen sichert.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

 

Navigation