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Über uns

Netzwerk

Medicus Mundi Schweiz, das Netzwerk Gesundheit für alle, ist ein freiwilliger Zusammenschluss von rund 50 in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätigen schweizerischen Organisationen. Das Netzwerk bildet eine Plattform für den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen seinen Mitgliedern. Sein Ziel ist die Verbesserung von Qualität, Wirksamkeit und Sichtbarkeit der schweizerischen Gesundheitszusammenarbeit.

 

Die Liste der Mitgliederorganisationen finden Sie hier.

Das Netzwerk versteht sich als offene, einbindende Arbeits- und Lerngemeinschaft. Die Mitgliedschaft bedeutet somit, dass sich eine Organisation an diesem Prozess des Austausches und des gemeinsamen Lernens beteiligt und die im Leitbild festgehaltenen Prinzipien der Zusammenarbeit im Netzwerk berücksichtigt.

Ziele und Aufgaben des Netzwerks

Die Ziele des Netzwerks gemäss der MMS Strategie sind:

  • Stärkung der Vernetzung und der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedorganisationen

  • Förderung des gemeinsamen Lernens seiner Mitgliedorganisationen

  • Verständnis der Schweizer Öffentlichkeit für die Herausforderungen der globalen Gesundheit erhöhen

  • Einflussnahme auf die Schweizer Politik, um deren Engagement zugunsten des Rechts auf Gesundheit zu erhöhen

Mitgliedschaft

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz ist ein Verein nach schweizerischem Recht. Medicus Mundi Schweiz strebt eine breite Mitgliederbasis an.

Das Netzwerk versteht sich als offene, einbindende Arbeits- und Lerngemeinschaft. Die Mitgliedschaft bedeutet somit, dass sich eine Organisation an diesem Prozess des Austausches und des gemeinsamen Lernens beteiligt und die im Leitbild festgehaltenen Prinzipien der Zusammenarbeit im Netzwerk berücksichtigt.

Das gemeinsame Verständnis von Gesundheit für alle und des Beitrags der Mitglieder des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz zur Erreichung dieses Ziels wird im Manifest „Gesundheit für alle. Ein realistisches Ziel“ (pdf) verdeutlicht.

Prinzipien der Zusammenarbeit im Netzwerk

Die Mitglieder des Netzwerks pflegen den Austausch von Wissen und Erfahrung und arbeiten vertrauensvoll zusammen Im Hinblick auf das gemeinsame Ziel erklären sie sich insbesondere bereit,

  1. transparent über die eigenen Grundlagen und ihre Tätigkeit zu informieren;
  2. die Arbeit und die Arbeitsgrundsätze der anderen Organisationen zu respektieren;
  3. einen offenen Dialog über zentrale Fragen der Praxis und der Politik der internationalen Gesundheit zu führen und sich an der Entwicklung gemeinsamer Positionen zu beteiligen;
  4. nach ihren Möglichkeiten aktiv im Netzwerk und an der Weiterentwicklung des Netzwerks mitzuarbeiten;
  5. ganz grundsätzlich das Gemeinsame und Verbindende über das potentiell Trennende zu stellen.

Vorteile der Mitgliedschaft

Das Netzwerk mitgestalten und mittragen. Ein Netzwerk lebt von der Fülle und der Vielfalt des Wissens, der Erfahrungen, der Meinungen seiner Mitglieder. Die Beteiligung in einem Netzwerk ist somit immer gleichzeitig Nehmen und Geben.

Aufnahme neuer Mitgliedorganisationen

Die Aufnahme der ordentlichen Mitglieder von MMS erfolgt gemäss Vereinsstatuten durch die Jahresversammlung. Voraussetzung ist das Vorliegen eines schriftlichen Beitrittsgesuches an den Vereinspräsidenten. Die Jahresversammlung findet jeweils im Frühling statt.

Sind Sie an der Mitgliedschaft im Netzwerk Gesundheit für alle interessiert? - Dann nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf. Besten Dank!

Einzelmitglieder

Medicus Mundi Schweiz ist auf die Unterstützung und die Sympathie seiner Einzelmitglieder angewiesen: Als „ausserordentliche Mitglieder“ des Verein erhalten sie spezielle Informationen und werden zu den Veranstaltungen von MMS eingeladen

 

Weitere Auskünfte erteilen gerne:

Thomas Vogel, Präsident von MMS
Route de Chancy 12
1213 Petit-Lancy
Tel. 022 792 12 68 (g.)

Martin Leschhorn Strebel, Geschäftsführer von MMS
Murbacherstrasse 34, 4013 Basel
Tel. 061 383 18 10 (g.)

 

MMS Manifest: Gesundheit für alle in einer Generation

Um dem Recht auf Gesundheit innerhalb einer Generation zum Durchbruch zu verhelfen, der Agenda 2030 hier in der Schweiz Nachachtung zu verschaffen und die gemeinsame inhaltliche Basis der in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätigen Schweizer Organisationen und Institutionen im Engagement für diese Ziele zu stärken, veröffentlicht das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz dieses Manifest.

 

 

Das vorliegende Manifest Gesundheit für alle innerhalb einer Generation haben die MMS Mitgliedsorganisationen gemeinsam erarbeitet. Sie können es als pdf hier herunterladen.

 

Präambel

Um dem Recht auf Gesundheit innerhalb einer Generation zum Durchbruch zu verhelfen, der Agenda 2030 hier in der Schweiz Nachachtung zu verschaffen und die gemeinsame inhaltliche Basis der in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätigen Schweizer Organisationen und Institutionen im Engagement für diese Ziele zu stärken, veröffentlicht das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz dieses Manifest.

Das Manifest richtet sich an politische Entscheidungsträgerinnen und -träger in der Schweiz, um sie darin zu bestärken, für eine gegen innen und aussen solidarische Schweiz einzustehen. Denn eine gerechte Schweiz ist Voraussetzung, um Gesundheit für alle zu erreichen.

Das Manifest richtet sich auch an Kolleginnen und Kollegen in Organisationen und Institutionen, die sich in der internationalen Zusammenarbeit für Gesundheit engagieren, um sie darin zu bestärken, die gemeinsame Arbeit für Gesundheit für alle engagiert und immer auch selbstkritisch fortzusetzen.

Dafür stehen wir ein

Basierend auf den umfassenden Überlegungen und Analysen im nachfolgenden Teil dieses Manifestes halten wir zusammenfassend fest:

1. Gesundheit für alle in einer Generation kann erreicht werden – wir haben das Wissen und wir haben die Mittel dazu.

2. Um das Recht auf Gesundheit weltweit zu verwirklichen, engagieren wir uns für eine Politik und eine wirtschaftliche Praxis, welche die Menschenrechte in den Vordergrund stellt, Diskriminierung und Stigmatisierung bekämpft, die Gesundheit der Menschen schützt und weltweit die notwendigen finanziellen Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung sichert.

3. Wir stehen zur Basisgesundheitsversorgung als Zentrum jedes Gesundheitssystems, wie dies in der Alma-Ata-Deklaration 1978 durch die Weltgesundheitsorganisation postuliert wurde.

4. Wir setzen uns für eine bedürfnisgerechte, demokratisch kontrollierte öffentliche Gesundheitsversorgung ein, welche so ausgestaltet ist, dass alle, einschliesslich verletzlicher Gruppen, Zugang haben.

5. Die Schweiz steht in der Verantwortung: Sie soll sich in der Schweiz und weltweit für den Zugang zu Gesundheit für alle engagieren und sich in allen Politikbereichen kohärent dafür einsetzen.

6. Die Schweiz muss sich uneingeschränkt für die Umsetzung der Ziele der Agenda 2030 einsetzen und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen.

7. Ungleichheit und Armut sind zentrale Faktoren, welche die Gesundheit von Menschen bestimmen. Deshalb ist unser Engagement für das Recht auf Gesundheit auch ein Engagement für weltweite Gerechtigkeit.

8. Wir stehen uneingeschränkt für eine weltoffene und solidarische Schweiz ein.

 

Das Recht auf Gesundheit noch immer nicht erreicht

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz mit seinen unterzeichnenden Mitgliedsorganisationen stellt fest, dass das Menschenrecht auf Gesundheit weder in der Schweiz noch weltweit umgesetzt ist: Mindestens 400 Millionen Menschen weltweit haben keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung; noch immer werden Kinder unter Bedingungen geboren, die ihnen ein gesundes Leben verwehren; und viel zu viele Menschen leben und arbeiten in Verhältnissen, die krank machen und ein Altern in Würde verhindern.

Basisgesundheitsversorgung als Voraussetzung

Um das Recht auf Gesundheit zu erreichen, ist eine qualitativ hochstehende Basisgesundheitsversorgung, wie sie bereits in der Deklaration von Alma Ata 1978 anlässlich der Internationalen Konferenz über primäre Gesundheitsversorgung der Weltgesundheitsorganisation gefordert wurde, grundlegend. Sie zielt auf eine umfassende, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmte Gesundheitsversorgung, bei welcher die Partizipation der Gemeinden und Gemeinschaften eine zentrale Rolle spielt. Sie ist Voraussetzung, um weltweit und auch in der Schweiz Menschen gesundheitsrelevante Informationen, Prävention und medizinische Behandlungen zugänglich zu machen.

Determinanten von Gesundheit: Ungleichheit, Armut und Umweltzerstörung

Gesundheit für alle erfüllt sich allerdings nicht nur im engen Rahmen des Gesundheitssektors. Ungleichheit und Armut sind zentrale Faktoren, welche die Gesundheit von Menschen bestimmen. Soziale, wirtschaftliche und ökologische Bedingungen, unter welchen Menschen geboren werden und aufwachsen, dann später arbeiten und alt werden können, bestimmen die Gesundheit der Menschen weltweit. Ungleichheit und Armut sind nicht schicksalsgegeben, sondern Folgen von fehlendem oder falschem politischem Handeln und fehlenden Ressourcen, von wirtschaftlichen Strukturen und dahinter stehenden monetären Interessen.

Gesundheitlichen Fortschritt sichern und allen zugänglich machen

Die seit der Jahrtausendwende tatsächlich in gewissen Gesundheitsbereichen erzielten Fortschritte sind beachtlich. Sie sind auch dank grossen Investitionen der internationalen Gemeinschaft erreicht worden. Wir stellen aber auch fest, dass die Fortschritte nicht alle Bevölkerungsgruppen weltweit gleich erreicht haben.

Die gesundheitlichen Fortschritte sind nicht gesichert. Sie sind insbesondere dann bedroht, wenn wir die Gesundheitsversorgung nicht als öffentliches Gut verteidigen, sondern als kommerzialisierbare Ware privatisieren. Und sie sind auch dann bedroht, wenn wir weiterhin zulassen, dass unsere planetarischen Lebensgrundlagen zerstört werden.

Globale Trends als Herausforderung für die globale Gesundheit

Weltweit werden die gesundheitliche Situation der Menschen und die Gesundheitsversorgung jetzt und in naher Zukunft von folgenden Trends geprägt, die das Recht auf Gesundheit je nachdem stärken, aber auch schwächen können: Globalisierung, demografische Entwicklung und Migration, Kriege, Konflikte und Klimawandel, weltweite Verbreitung von nicht-übertragbaren Krankheiten bei gleichzeitigem Fortbestand übertragbarer Krankheiten, Zunahme von antimikrobiellen Resistenzen (AMR). Diesen Trends kann nur begegnet werden, wenn die Zusammenarbeit auf allen Ebenen, lokal, national und global, gestärkt wird.

Solidarische Grundhaltung und globale Verantwortung der Schweiz

Als Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Zivilgesellschaft und als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sind wir stolz auf die in der Schweiz gut verankerte solidarische Grundhaltung und die humanitäre Tradition. Für diese Grundhaltung und diese Werte setzen wir uns ein, im Wissen, dass nur eine solidarische Schweiz auch ihrer globalen Verantwortung nachkommt.

In unserem Engagement für Gesundheit für alle sind wir nicht allein – und mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung liegt ein kollektiver, globaler Zielrahmen vor, den wir anerkennen und für den wir uns engagieren. Wir unterstreichen, dass im Sinne der Agenda 2030 gesundheitliches Wohlergehen nur erreicht werden kann, wenn es über die engen Grenzen des Gesundheitssektors hinaus angegangen, die Armut bekämpft und dem Grundsatz der Agenda 2030, niemanden zurückzulassen („leaving no one behind“), nachgelebt wird.

 

Hindernisse und Herausforderungen auf dem Wer zu Gesundheit für alle

Eine qualitativ gute Basisgesundheitsversorgung ist eine der Bedingungen, damit das Recht auf Gesundheit erzielt werden kann. Damit sie im Dienste der Menschen funktioniert, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein. Primär muss der Zugang zu ihren Leistungen sichergestellt sein. Und zwar für alle – unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft oder ethnischen Zugehörigkeit, ihrem Alter, ihren physischen und psychischen Fähigkeiten oder ihrem sozioökonomischen Status. Aus der Schweiz wissen wir, wie schwierig dies selbst in einem Umfeld mit genügend finanziellen Mitteln zu gewährleisten ist.

In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen treffen unsere einheimischen Partnerinnen und Partnern eine Vielzahl von Herausforderungen an, welche den Zugang zu Gesundheitsleistungen auf allen Ebenen erschweren bis verunmöglichen.

>    Unzureichende Infrastruktur und schwache Gesundheitsversorgung verhindern Zugang: Gesundheitszentren lassen sich im ländlichen Gebiet nur schwierig erreichen, Medikamente sind zu teuer oder stehen vor Ort nicht zur Verfügung, der Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen wird der Bevölkerung verweigert oder die Gesundheitsdienstleistungen müssen selbst bezahlt werden, was viele Menschen und ihre Familien in die Armut treibt.

>    Mangel an ausgebildetem Gesundheitspersonal verhindert gute Gesundheitsversorgung: Das vorhandene Gesundheitspersonal arbeitet unter unzureichenden Bedingungen und ist oft schlecht entlöhnt. Aus diesem Grund verlassen Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie Hebammen oft öffentliche zugunsten privater Gesundheitseinrichtungen, abgelegene Ortschaften zugunsten städtischer Zentren. Und sie wandern aus Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen in reiche Länder aus, die selbst nicht genügend Gesundheitspersonal ausbilden.

>    Falsch verstandene Basisgesundheitsversorgung untergräbt Akzeptanz: Basisgesundheits­versorgung meint eine umfassende, qualitativ gute medizinische Grundversorgung, die die Grundlage jedes Gesundheitssystems bilden sollte. Sie muss für alle zugänglich sein, den Bedürfnissen der Menschen entsprechen und kulturell und sozial akzeptabel sein. Eine qualitativ schlechte Basisgesundheitsversorgung untergräbt dagegen die Akzeptanz bei der Bevölkerung, ohne die kein Gesundheitssystem funktionieren kann.

>    Ungleichheit und Diskriminierung unterminieren die Gesundheitsziele: Ungleichheit – weltweit und innerhalb eines Landes – ist der zentrale gesundheitsbestimmende Faktor. Sozioökonomische Faktoren gehen dabei oft Hand in Hand mit Diskriminierungen unterschiedlicher Art. Diese machen krank und verhindern den Zugang zur Gesundheitsversorgung massiv.

>    Fehlende demokratische Legitimation der Gesundheitsversorgung: Basisgesundheitsversorgung verlangt nach Partizipation der Bevölkerung – diese bestimmt, welche gesundheitlichen Bedürfnisse wie angegangen werden sollen. Und sie kontrolliert die Leistungserbringer. Damit dies möglich ist, braucht es demokratisch legitimierte Räume und eine entsprechende politische Kultur.

>    Neue gesundheitliche Entwicklungen belasten bereits schwache Gesundheitssysteme: Durch die Globalisierung und die damit verbundene Verbreitung von gesundheitsschädigenden Produkten verbreiten sich nicht-übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Diese Krankheiten stellen ein weiteres Armutsrisiko für die Bevölkerung dar und belasten zusätzlich die bereits schwachen Gesundheitssysteme.

>    Politische Instabilität, fehlende Rechtsstaatlichkeit und kriegerische Konflikte unterlaufen Anstrengungen, die Gesundheitsversorgung zu stärken: Leistungsfähige Gesundheitssysteme sind auf ein stabiles Umfeld angewiesen, das Rechtsstaatlichkeit und Frieden garantiert. Aus diesem Grund stellt die Stärkung der Basisgesundheitsversorgung in fragilen Kontexten eine hohe Herausforderung dar.

>    Ungenügende Finanzierung der Gesundheitsversorgung: Jede Regierung steht in der Verantwortung, das Recht auf Gesundheit der gesamten Bevölkerung auf ihrem Territorium zu sichern. Gleichzeitig werden die finanziellen Mittel innerhalb des Gesundheitssystems oft ungleich zugunsten der Spitalversorgung eingesetzt, was immer zu Lasten der Basisgesundheitsversorgung geht. Vielen Staaten fehlen aber letztlich die finanziellen Möglichkeiten, um das Gesundheitssystem mit genügend Mitteln auszustatten. Durch Missmanagement, Korruption und ungerechte Steuersysteme gehen finanzielle Ressourcen verloren  und fehlen dann den Sozialsystemen. Nicht zuletzt die Finanz- und Steuerpolitik reicher Länder – auch der Schweiz – verhindert aber, dass Länder mit niedrigem Einkommen im Land vorhandene finanzielle Ressourcen mobilisieren können.

All diese hier dargelegten Probleme und Herausforderungen stellen Barrieren dar, um Gesundheit für alle zu erreichen – doch diese Barrieren sind nicht unüberwindbar. Nehmen alle Akteure – die internationale Gemeinschaft mit ihren Institutionen, die Regierungen, die Wirtschaft, die Zivilgesellschaft und die Bevölkerungen – im Rahmen der Agenda 2030 ihre Verantwortung wahr, kann das Recht auf Gesundheit verwirklicht werden.

 

Die Schweiz muss Verantwortung übernehmen – wir müssen Verantwortung übernehmen

Als Vertreter von Schweizer Organisationen und Institutionen, die sich in ihrer teilweise jahrzehntelangen Arbeit erfolgreich für die Gesundheit benachteiligter Bevölkerungen eingesetzt haben, wissen wir, dass wir uns laufend weiterentwickeln müssen, um unseren Aufgaben gerecht zu werden.

Dazu halten wir fest:

1. Benachteiligte Bevölkerungen im Zentrum

Im Fokus der Gesundheitszusammenarbeit steht die Aufgabe, das Recht auf Gesundheit der Bevölkerungen dort durchzusetzen, wo unsere Organisationen tätig sind. Wir tun dies immer in Zusammenarbeit mit den Bevölkerungen und ihren zivilgesellschaftlichen Strukturen. In der Entwicklung unserer Programme und Projekte stellen wir die Mitwirkung der Bevölkerung über eine rein institutionell getriebene Logik. In erster Linie Rechenschaft schuldig sind wir den Bevölkerungen, für welche wir uns engagieren.

2. Gesundheitssysteme durch Zusammenarbeit stärken

Wir arbeiten, wenn immer möglich, mit staatlichen Akteuren zusammen, um Projekte und Programme so abzustimmen, dass sie in die nationalen Gesundheitssysteme passen und diese stärken und nicht zusätzlich schwächen.

Mit unserer Personalpolitik vor Ort unterwandern wir nicht den lokal vorhandenen Stellenmarkt, indem etwa Gesundheitspersonal aus der öffentlichen Gesundheitsversorgung in unsere Programme getrieben wird. Stattdessen stärken wir lokal vorhandene Kapazitäten und investieren in das vor Ort vorhandene Gesundheitspersonal.

3. Als lernende Organisationen eigene Rolle laufend überprüfen und verändern

Mit der konsequenten Umsetzung der Agenda 2030 wird sich auch die Rolle der in der internationalen Zusammenarbeit engagierten Schweizer Organisationen weiter verändern. Wir werden immer weniger selbst Projekte und Programme umsetzen; lokale Partner werden noch mehr diese Aufgabe übernehmen; unsere Rolle wird noch stärker diejenige eines Fazilitators, eines Vermittlers von Wissen und noch fehlenden Ressourcen sein. Zusammenarbeit und Partnerschaften werden noch wichtiger.

Wir verstehen uns als lernende Organisationen. Und deshalb setzt unser Netzwerk darauf, bestehendes Wissen der Mitgliedsorganisationen weiterzuentwickeln und neues Wissen zu schaffen. Aus diesem Grunde engagieren wir uns auch für mehr Evidenz in unseren Projekten und Programmen, indem wir unsere wissenschaftlichen Kompetenzen stärken und dazu auch Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen eingehen.

4. Es geht nicht um Hilfe, es geht um Gerechtigkeit

Als in der öffentlichen Gesundheit tätige Organisationen wissen wir, dass es neben individuellen Faktoren vor allem soziale, wirtschaftliche und ökologische Faktoren sind, die bestimmen, ob jemand erkrankt oder nicht. Unbestritten ist, dass der Grad der Ungleichheit den Stand der Gesundheit in einer Bevölkerung bestimmt. Vor diesem Hintergrund ist uns bewusst, dass unsere Arbeit dazu beitragen kann, dass Ungerechtigkeiten bestehen bleiben. Gleichwohl können und wollen wir niemanden im Elend ohne Hilfe alleine lassen.

Doch wir wissen, dass wir diejenigen Verhältnisse, welche Menschen krank machen, im Verbund mit unseren Partnern hier in der Schweiz und weltweit angehen müssen und verändern können. Wir können und wollen unsere diesbezügliche Arbeit weiter stärken, von unseren Partnern lernen und die lokalen Bevölkerungen, mit welchen wir zusammenarbeiten, darin stärken, sich für ihre Rechte zu engagieren und Diskriminierung innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaften zu bekämpfen.

Weil es um Gerechtigkeit geht, engagieren wir uns für eine Politik und eine wirtschaftliche Praxis, welche die Menschenrechte in den Vordergrund stellt, die Gesundheit der Menschen schützt und weltweit die notwendigen finanziellen Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung sichert.

5. Unterstützung in der Schweiz aufrechterhalten

Die internationale Gesundheitszusammenarbeit von Schweizer Organisationen ist dank ihrer Vielfalt in den verschiedensten Bevölkerungsgruppen der Schweiz gut verankert. Diese grundsätzlich solidarische Haltung weiter gesellschaftlicher Kreise ist gefährdet durch andauernde Attacken auf Menschenrechte, auf eine weltoffene Schweiz und die internationale Zusammenarbeit.

Wir stehen deshalb in der Verantwortung, uns durchaus auch selbstkritisch für diese solidarische Grundhaltung zu engagieren. Dazu informieren wir unsere Spenderinnen und Spender, unsere finanziellen Partnerinnen und Partner wie auch eine breitere Öffentlichkeit über unsere Arbeit und deren Grenzen. Wir müssen aber auch, insbesondere in unserer Werbung, aufhören, stereotype Bilder von armen Bevölkerungen zu zementieren. Stattdessen wollen wir inspirierende Lösungen vermitteln, die gerade sehr oft von unseren Partnerorganisationen und den lokalen Bevölkerungen kommen.

6. Das Recht auf Gesundheit gilt weltweit – auch in der Schweiz

Das Recht auf Gesundheit bedeutet, dass weltweit für alle Menschen Bedingungen geschaffen werden, unter welchen Kinder gesund zur Welt kommen und aufwachsen und alle an der Gesellschaft teilhaben können. Es geht auch um Bedingungen, unter welchen alle Erwachsenen einer nicht krank machenden Arbeit nachgehen und würdevoll altern können. Wir wollen eine Welt und wir wollen eine Schweiz, in der alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu einer ihren Bedürfnissen entsprechenden, umfassenden, bezahlbaren und qualitativ guten, lokal akzeptierten Gesundheitsversorgung haben, ohne dass dabei jemand zurückgelassen wird.

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz und seine Mitgliedsorganisationen engagieren sich weiterhin weltweit für das Menschenrecht auf Gesundheit. Dieses Recht ist auch in der Schweiz nicht einfach gegeben: Von Armut Betroffene oder Bedrohte haben Mühe, die Krankenkassenprämien zu bezahlen. Sans-Papiers, Migrantinnen und Migranten fehlt der Zugang zu Gesundheitsleistungen, die Gesundheitsversorgung ist nicht auf die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ausgerichtet. Glaubwürdig können wir für das Recht auf Gesundheit nur einstehen, wenn wir die Stimme erheben, wenn dieses Recht hier in der Schweiz verletzt wird. Denn das Recht auf Gesundheit ist unteilbar.

7. Für eine solidarische Schweiz, die sich kohärent für das Recht auf Gesundheit engagiert

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Schweiz ihre Verantwortung für das Recht auf Gesundheit weltweit endlich auch kohärent und konsequent wahrnimmt. Die Schweizer Wirtschaft nimmt als globaler Player in unterschiedlicher Weise Einfluss auf die globale Gesundheit. Die Schweizer Politik steht damit in einer besonderen Verantwortung, sich in ihrer Aussen- und Wirtschaftspolitik für das Recht auf Gesundheit zu engagieren, ohne dabei einseitig die Interessen der Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen.

Wir erwarten von der Schweizer Regierung, dass sie sich vorbehaltlos für die Umsetzung der Agenda 2030 einsetzt und die dazu notwendigen Mittel von mindestens 0,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes in die internationale Zusammenarbeit investiert – wie dies die UNO von ihren Mitgliedsstaaten erwartet.

Eine solche solidarische Politik verstehen wir nicht auf die internationale Gesundheitszusammenarbeit beschränkt. Sie steht im Kontext einer offenen Schweiz, die ihre internationale Verantwortung wahrnimmt und sich nicht abschottet, sondern sich international und in der Schweiz für Menschenrechte und eine nachhaltige Entwicklung gemäss der Agenda 2030 engagiert. Denn Gesundheit für alle bis 2030 ist ein realistisches Ziel, für welches wir uns gemeinsam in der Schweiz und weltweit engagieren.

 

MMS/Dezember 2018

 

Strategie 2017-2019

Gesundheit für alle weltweit mit einer für das Recht auf Gesundheit engagierten Schweiz

Tansania 2015 (Photo: Martin Leschhorn/MMS)

 

Wir, das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz, geben uns diese Strategie, um die Mitgliedsorganisationen und die Schweiz als Ganzes in ihrem Engagement zugunsten des Rechts auf Gesundheit weltweit zu stärken. Im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele unterstreichen wir, dass dies nur gelingen kann, wenn die Zusammenarbeit für die Gesundheit für alle über die engen Grenzen des Gesundheitssektors hinaus angegangen wird. Das Engagement für eine qualitativ gute Basisgesundheitsversorgung bedingt, sich für das Recht auf Gesundheit in unterschiedlichen Politikbereichen (Health in all Policies) und für die Verbesserung der Gesundheitsdeterminanten einzusetzen.


Unsere Vision

Gesundheit für alle weltweit und eine Schweiz, die sich für das Recht auf Gesundheit einsetzt.

Wir wollen weltweit für alle Menschen Bedingungen, unter welchen Kinder gesund zur Welt kommen und aufwachsen, und unter welchen Erwachsene an der Gesellschaft teilhaben, einer nicht krank machenden Arbeit nachgehen und würdevoll altern können. Wir wollen eine Welt, in der alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu einer ihren Bedürfnissen entsprechenden, umfassenden, bezahlbaren und qualitativ guten Gesundheitsversorgung haben, ohne dass dabei jemand zurückgelassen wird. Und wir wollen eine Schweiz, die eine solidarische Vorreiterrolle für das Recht auf Gesundheit weltweit einnimmt.

Unsere Mission

Vernetzung und Kooperation der Schweizer Akteure für eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung und für eine glaubwürdige internationale Gesundheitszusammenarbeit

Getragen von Mitgliedern aus der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft bringen wir Schweizer Organisationen und Institutionen der internationalen Gesundheitszusammenarbeit zusammen, um ihre Ideen und ihr Wissen zusammenzuführen und zu validieren, um ihre Arbeit für die Gesundheit weltweit laufend zu verbessern und um gemeinsam auf eine Schweiz hinzuwirken, die die Verantwortung für das Recht auf Gesundheit weltweit wahrnimmt.

Wirkung der Strategie

Durch die Umsetzung der Strategie werden wir uns zur unverzichtbaren Community of Practice für Schweizer Organisationen der internationalen Gesundheitszusammenarbeit entwickelt haben und in einer breiteren Öffentlichkeit wie auch bei politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern als engagiertes, sachkundiges und wirkungsvolles Netzwerk anerkannt sein.

Unsere Ziele

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

  1. stärkt die Vernetzung und fördert damit die Zusammenarbeit von Schweizer Organisationen, die in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätig sind,
  2. fördert das gemeinsame Lernen seiner Mitgliedsorganisationen, indem es den Rahmen zur kritischen Reflexion der Arbeit der Mitgliedsorganisationen und die Wissensgrundlagen zur internationalen Gesundheitszusammenarbeit schafft,
  3. erhöht in der Schweizer Öffentlichkeit das Verständnis für die Herausforderungen der globalen Gesundheit und
  4. nimmt Einfluss auf die Schweizer Politik, um deren Engagement zugunsten des Rechts auf Gesundheit für alle weltweit zu stärken.

 

Die ausführliche Version der MMS-Strategie 2017-2019 finden Sie als pdf hier.

 

 

 

Grundlagen

Die wichtigsten Grundlagendokumente von Medicus Mundi Schweiz auf einen Blick - und zum Download als pdf-Files. Weitere individuelle Auskünfte erteilt Ihnen gerne unsere Geschäftsstelle.

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