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Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Wir sind zu ExpertInnen in der Anwendung des menschenrechtsbasierten Ansatzes geworden

Von Carine Weiss

Die Arbeitsgruppe „sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ hat sich weiter entwickelt. Es beteiligten sich rund zwölf Mitgliedorganisationen regelmässig an der Arbeit der Gruppe. Das Jahr 2016 stand ganz im Zeichen des Menschenrechtsbasierten Ansatzes in Projekten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit.

Wir sind zu ExpertInnen in der Anwendung des menschenrechtsbasierten Ansatzes geworden


1. Meilenstein: MMS/ aidsfocus.ch Fachtagung 2016: Applying Human Rights to Sexual and Reproductive Health - A Reality for All?

In Anlehnung an die Studie zum Menschenrechtsbasierten Ansatz in Programmen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit führten wir auch die MMS/aidsfocus.ch Fachtagung am 4. Mai 2016 zu diesem Thema durch. Die Beiträge und die Diskussionen zeigten, dass ohne die Verwirklichung der Menschenrechte, die sexuelle und reproduktive Gesundheit weltweit nicht verbessert werden kann. Schweizer NGOs leisten zusammen mit ihren Partnerorganisationen gerade in diesem Bereich einen sehr wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Menschenrechte. Was in der Theorie einleuchtend klingt, ist in der Praxis noch lange nicht umgesetzt. Trotz der erzielten Fortschritte, existieren noch immer zahlreiche Menschenrechtsverletzungen aufgrund von rechtlichen, politischen und bürokratischen Hindernissen, sowohl innerhalb als auch ausserhalb des esundheitssektors. Die eintägige Fachtagung wurde von rund 50 Personen besucht.

Mehr zum Thema:
MMS Bulletin #138: Applying Human Rights to Sexual and Reproductive Health - a Reality for All

 

MMS/aidsfocus.ch conference 2016: Tabitha Griffith Saoyo, KELIN, Kenya and Stuart Halford, The Sexual Rights Initiative (Foto: Daniel Rihs)

 

2. Meilenstein: MMS Studie zum menschenrechtsbasierten Ansatz in Programmen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit

Wir hatten das Schweizerische Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) beauftragt, eine qualitative Befragung durchzuführen, um zu untersuchen, wie MMS-Mitgliedsorganisationen den Menschenrechtsansatz im Programmzyklus ((1) Situationsanalyse; (2) Planung und Design; (3) Implementierung; (4) Monitoring & Evaluation) zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit anwenden.

Insgesamt 12 in der Schweiz ansässige NGOs und deren 12 örtliche Partnerorganisationen haben eine Dokumentation zu einem ihrer Projekte aus dem Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit eingereicht. Die Datenerhebung beinhaltete sowohl eine Dokumentenrevision als auch ausführliche, teilstrukturierte Interviews. Die Projektauswahl der Mitglieder von MMS umfasste die folgenden Länder: Nicaragua, Paraguay, Senegal, Mali, Burkina Faso, Ruanda, Zimbabwe, Sambia, Malawi, Albanien und Bangladesch.

Diese Befragung kam zu zwei Hauptresultaten:

  • Mitglieder von MMS und deren Partner-NGOs liefern einen wichtigen Beitrag in der Umsetzung von Menschenrechten, indem sie sich auf die am meisten marginalisierten Gruppen und Einzelpersonen und auf deren sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte konzentrieren.
  • Mitgliedsorganisationen wenden jedoch nicht systematisch die Grundsätze eines Menschenrechtsansatzes in ihren Projektzyklen an. Das kann an der begrifflichen Unklarheit des Menschenrechtsansatzes und seiner Anwendung auf die Programmplanung liegen.

Die Resultate dieser Studie können im MMS Bulletin #140: MMS Studie: "Menschenrechtsbasierter Ansatz in Programmen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit" nachgelesen werden.

 

Séances d'éducation des filles pour leur apprendre les rôles et les valeurs d'une femme en vu d'éviter la sexualité précoce et les grossesses qui conduisent au mariages précoces (Photo: © World Vision)

 

3. Meilenstein: Workshop „Wie können wir den menschenrechtsbasierter Ansatz in Programmen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit systematisch anwenden?“

Die Ergebnisse dieser Studie nutzte das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz, um die Mitgliederorganisationen auf den menschenrechtsbasierten Ansatz zu sensibilisieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, die Wissenslücken zu schliessen. Wir organisierten drei Workshop-Tage mit folgenden Themen:

Workshop Tag 1

Workshop Tag 2

Workshop Tag 3

  • Was ist ein Menschenrechtsbasierter Ansatz und was sind die relevanten Instrumente?
  • Wie führt man eine Situationsanalyse durch? (Programmzyklusphase 1)

 

 

  • Input von Simone Troller, (Konflikte und Menschenrechte Abteilung Südasien DEZA) und anschliessender Diskussion mit Susanne Amsler (DEZA)
  • Programmzyklusphase 2: Planung und Design
  • Programmzyklusphase 3: Implementierung
  • Rückblick auf Tag 1 und 2 und Anwendung der Instrumente auf ein eigenes Projekt.
  • Analyse der Menschenrechte und Zusammenhang mit Vereinbarungen
  • Erstellung eines Monitoring und Evaluationsplanes (Programmzyklusphase 4)
  • Rückblick auf Tag 1 und 2 und Anwendung der Instrumente auf ein eigenes Projekt.
  • Analyse der Menschenrechte und Zusammenhang mit Vereinbarungen
  • Ersellen eines Monitoring

 

 

Workshop Tag 1: Gruppenarbeit zur Situationsanalyse (Photo: Carine Weiss)

 

Die Workshops waren so konzipiert, dass die Inhalte an praktischen Beispielen und in Gruppenarbeiten erarbeitet wurden. Der Austausch von Erfahrungen aus den Projekten der MMS Mitgliederorganisationen stand im Vordergrund.

An den jeweiligen Workshops nahmen zwischen 12 und 16 TeilnehmerInnen teil. Die Workshops konnten auch ohne Vorkenntnisse besucht werden.

Workshop Tag 3: Gruppenarbeit (Photo: Carine Weiss)

 

Die Workshops waren ein grosser Erfolg. Die Wissenslücken konnten geschlossen, Begrifflichkeiten konnten geklärt werden und viele neue Erkenntnisse und Erfahrungen wurden aus den vielen praktischen Beispielen gewonnen. Dabei konnten wir feststellen, dass die MMS Mitgliederorganisationen den Menschenrechtansatz weit mehr anwenden, als aus den Resultaten der Studie ersichtlich wurde. 

Women Deliver Conference in Kopenhagen

MMS nahm an der grössten Konferenz zu health, rights, and wellbeing of girls and women in Kopenhagen im Mai 2016 teil. Insgesamt kamen über 5'700 Teilnehmer aus 194 Ländern an - darunter Regierungsminister, politische Entscheidungsträger, Führungskräfte und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Mitglieder zivilgesellschaftlicher Organisationen, Jugendliche, Aktivisten, königliche Familienmitglieder und Prominente. Wir diskutierten, wie das Leben von Mädchen und Frauen unter Einbezug von Männern in Themen der Sexuellen und Reproduktiven Gesundheit im SDG Zeitalter bis 2030 verbessert werden kann. 

Wir waren inspiriert, motiviert und energiegeladen - mit diesem Gefühl verliessen wir die Konferenz. Die in diesen vier Tagen entstandene Energie war beeindruckend. Zu diesem Anlass wurde ein Med in Switzerland #7 verfasst: "WOMEN DELIVER … and so much more than babies"  MMS verfolgt seither die Aktivtäten von Women Deliver (http://womendeliver.org/) und freut sich, an der nächsten Konferenz 2019 teilnehmen zu dürfen.

Carine Weiss

Carine Weiss
Projectleader at Medicus Mundi Switzerland  Email

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